Frühpensionierung in der Schweiz: Zwischen Freiheit und Fallstricken
- Naomi Poloni
- 10. Sept.
- 2 Min. Lesezeit
Der Gedanke, einige Jahre vor dem offiziellen Renteneintrittsalter aus dem Berufsleben auszusteigen, ist auch in der Schweiz für viele Menschen verlockend. Frühpensionierung verspricht mehr Zeit für Familie, Hobbys, Reisen oder persönliche Projekte. Doch so attraktiv dieser Schritt auf den ersten Blick auch erscheint – er bringt nicht nur Chancen, sondern auch eine Reihe von Herausforderungen mit sich.

Was bedeutet Frühpensionierung in der Schweiz?
Das Rentenalter in der Schweiz beträgt für Männer grundsätzlich 65 Jahre, während es für Frauen schrittweise von 64 auf 65 Jahre angehoben wird. Ab dem Jahrgang 1964 gilt für Frauen das Referenzalter von 65 Jahren. Für Frauen der Jahrgänge 1961 bis 1963 gelten Übergangsbestimmungen mit einer schrittweisen Erhöhung.
Frühpensionierung bedeutet, freiwillig vor diesem Alter aus dem Erwerbsleben auszusteigen. Dies kann durch Vorbezug der AHV-Rente, durch Leistungen aus der beruflichen Vorsorge (BVG/Pensionskasse) oder durch private Vorsorge (Säule 3a/3b) erfolgen.
AHV: Ein Vorbezug ist maximal zwei Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter möglich (mit lebenslangen Kürzungen).
BVG/Pensionskasse: Viele Kassen erlauben einen flexiblen Rentenbezug ab 58 Jahren, teils auch früher, jedoch mit erheblichen Rentenkürzungen.
Private Vorsorge: Hier sind Bezüge oft flexibel, abhängig vom Vertrag und Alter.
Möglichkeiten der Frühpensionierung
Mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung
Wer früh in Rente geht, kann die gewonnene Zeit für Reisen, Hobbys oder ehrenamtliche Tätigkeiten nutzen.
Gesundheitsvorsorge
Frühpensionierung kann helfen, stressbedingten Erkrankungen vorzubeugen oder Zeit für Erholung und Prävention zu schaffen.
Neue Lebensmodelle
Ob Umzug ins Ausland, Gründung eines Kleinunternehmens oder gemeinschaftliches Wohnen – ein früher Ruhestand eröffnet neue Wege.
Herausforderungen der Frühpensionierung in der Schweiz
Finanzielle Einbussen
AHV: Pro Vorbezugsjahr sinkt die Rente um 6,8 %. Bei maximal zwei Jahren Vorbezug bedeutet das bis zu 13,6 % lebenslange Kürzung.
BVG: Wer früher in Rente geht, hat weniger Beitragsjahre und niedrigere Altersguthaben.
Längere Ruhestandsdauer
Bei einem Austritt mit 58 Jahren kann die Rentenphase über 30 Jahre dauern – mit Risiken wie Inflation, Gesundheitskosten und steigender Lebenserwartung.
Soziale Isolation
Das Arbeitsumfeld fällt plötzlich weg. Wer keinen aktiven Lebensstil pflegt, kann sich schnell isoliert fühlen.
Psychologische Umstellung
Arbeit gibt Struktur und Sinn. Frühpensionierte müssen oft neue Rollen und Ziele für sich definieren.
Frühpensionierung planen: Wichtige Schritte
Finanzplanung
Berechnungen zu AHV, Pensionskasse, privater Vorsorge und Steuern sind entscheidend. Ein Vorbezug sollte genau durchgerechnet werden.
Beratung
Pensionskassen, Steuerberater und Vorsorgeexperten helfen, optimale Zeitpunkte und Strategien zu finden.
Persönliche Ziele
Ein klarer Plan für Hobbys, Engagement oder Weiterbildung macht den Übergang erfüllender.
Fazit
Frühpensionierung in der Schweiz bietet grosse Chancen, erfordert aber sorgfältige Planung. Wer die finanziellen Folgen kennt, sich rechtzeitig informiert und auch die persönliche Seite berücksichtigt, kann diesen Lebensabschnitt bewusst und selbstbestimmt gestalten.

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